„Wir ſind wahlverwandt, deshalb muß kein Ge⸗ heimniß zwiſchen uns ſein!“— Sie zog an der Klingel, ein Mädchen trat ein.
„Tony, mein Portefeuille!“ rief ſie der Ein⸗ tretenden zu. Das Mädchen ging und kehrte mit einer ſtarken Brieftaſche zurück.„Kleinigkeiten!“ ſagte die Baronin, in den Papieren ſuchend:„Un⸗ bedeutende Verſuche! Sie werden ſehen, ich bin nicht halb ſo zurückhaltend als Sie! Da nehmen Sie, Comteſſe!(indem ſie mir einige Blätter hin⸗ reichte). Ich durchlas ſie mit Rachdenken. Es wa⸗ ren einige Sonnets, die auf hier befindliche Ge⸗
mälde Bezug hatten. Die Sprache war blühend, und gab mir einen lebhaften Begriff von den Ge⸗ genſtänden, die ſie begeiſtert hatten. Ich dankte ihr mit Innigkeit, indem ich ihr die Blätter zu⸗ rückgab, und ſagte ihr, wie ich noch ſo fremd ſei in der Geſchichte der herrlichen Malerkunſt, und außer einigen Copien noch gar nichts geſehen hätte.
Sie war verwundert darüber, und verſprach, mich ſogleich mit den ſehenswertheſten Gemälden unſerer Kirchen und Kunſtſammlungen bekannt zu machen. Sie entließ mich, nachdem ſie mein Gemüth ſchon im voraus mit den Wundern erfüllt hatte, die ich nun mit Augen ſchauen ſoll, und ſtand auf, ſich anzukleiden. Ich eilte indeß auf mein Zimmer, um Ihnen zu ſchreiben.


