Teil eines Werkes 
2. Bdchn (1831)
Entstehung
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bis Sie mir eine Bitte gewährt haben! Reden Sie, Graf! entgegnete ich ungeduldig, ich konnte ihn in dieſer Stellung nicht ſehen. Laſſen Sie mir dies Andenken! bat er, indem er mein Taſchentuch ergriff, mit dem ich meine Thränen getrocknet hatte. Ich hörte die Tritte meines Vaters im Vorſaal, und gewährte es ihm in meiner Angſt. Er ſprang raſch auf, küßte das Tuch, und verbarg es in ſeinem Buſen.

Mein Vater warf, als er eintrat, einen prü⸗ fenden Blick auf mich.Du haſt geweint! rief er, mein rothes Antlitz betrachtend:Ich will nicht hoffen, Herr Graß daß Sie Veranlaſſung gaben? Ich vertheidigte auf's eifrigſte den Grafen, da er in der That ganz unſchuldig an meinen Thränen war. Er ſelbſt bewies durch ſein natürliches hei⸗ teres Weſen, daß er nicht Willens ſei, ihm eine Sache zu erſchweren, die längſt beſchloſſen war,

und vertrieb uns den Abend mit luſtigen Poſſen.

und witzigen Erzählungen aller Art. Er war auf⸗ geräumter als je, und das wider mein Vermuthen; ſein früheres Betragen ließ auf einen ganz an⸗ dern Abſchied ſchließen. Er blieb bis ſpät am Abend, wo wir ihn bis vor die Thür begleiteten. Ein ſchöner heller Sternenhimmel leuchtete auf uns herab. Der Graf warf einen Blick empor, dann faßte er fröhlich meine Hand, und ſagte:Alles