Teil eines Werkes 
2. Bdchn (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſer Abend, er wird mir unvergeßlich bleiben! An ihm lernte ich Nordens Charakter ganz verſtehen, und die Pflichten, die mir obliegen, ganz faſſen ganz würdigen. Wie ſchön ſtellte er mir die Hoff⸗ nungen, die Erwartungen meines Vaters vor Au⸗ gen, wie ſtolz machte er mich, indem er die ſei⸗ nigen ausſprach. Die beſcheidene Art, mit der er ſtets von ſich und ſeinen Wünſchen ſpricht, macht, daß ich ihn nur um ſo höher ſchätzen, und jene um ſo gewiſſenhafter erfüllen muß. O, es gibt ein

geiſtiges Erkennen, auch ohne äußere Zeichen, ei⸗

nen Einklang der Seelen, der nicht des Wortes bedarf. Aber nur verwandte Naturen ſind die⸗ ſer zarten Beziehungen fähig, und fühlen ſich ein⸗ verſtanden, ohne einer andern Gewißheit zu be⸗ dürfen, als die eigene innere Zufriedenheit, die es bezeugt. Ich weiß jetzt, ich werde in ſeiner Erinnerung fortleben, wie er ſtets als milder war⸗ nender Freund vor meiner Seele ſtehen wird. Dieſes ſchöne Verhältniß hat mit irdiſchen Hoff⸗ nungen nichts gemein! Es iſt die Einheit in Gott, in der unendlichen Liebe. Tadeln Sie mich nicht mehr, Richardis, wenn ich meinen Lehrer auch als den edelſten, würdigſten Mann verehre! Dieſe Anerkennung ſeiner Verdienſte wird mir ein ſiche⸗ res Schild ſein, welches mein junges Herz von den Eindrücken ſcheinbarer Liebenswürdigkeit, eit⸗