Neunundſechzigſter Brief.
Norden an Walter⸗
Breiſach, im October 18**.
Ja, Du haſt Recht! das Schickſal iſt grauſam, indem es den müden Schiffer, der endlich in der Freiſtatt des Friedens zu landen glaubte, noch ein⸗ mal in die empörten Wellen des Lebens zurück⸗ wirft.— Meine Kräfte waren noch erſchöpft von der anſtrengenden Fahrt, ich hatte zu wenig Ge⸗ walt, mich feſt zu halten am ſichern Ufer; ich küßte die ſchmeichelnde, lockende Welle, die mich noch einmal umſpielte, und mein Widerſtand war nur eitler Schein, denn in meinem Herzen war die Sehnſucht, noch einmal an dem blühenden Ufer verſchwundenen Jugendglückes zu landen!— Nun iſt es geſchehen!— Ich treibe ſteuerlos auf dem unſichern Elemente umher, und beide Ufer weichen immer ferner zurück.—
— O Walter! kann eine Leidenſchaft ſo lang ſchlummern, und ihre Kraft nicht verlieren? Kann
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