Teil eines Werkes 
2. Bdchn (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—.

kleines Gedicht, welches ich einſt in einer einſamen Stunde niederſchrieb. Wie kam es in meines Va⸗ ters Hand? Ich hatte ihm bis jetzt jeden Verſuch der Art aus Schüchternheit verſchwiegen,— jetzt war mein Geheimniß verrathen, und auch Rorden wußte darum. Dieſes alſo war es, was meinen Vater zu jenen Hoffnungen berechtigte? O Him⸗ mel! mußten denn erſt jene unbedeutenden Verſe der Schlüſſel werden zu der Seele ſeiner Tochter? Liegt nicht mein ganzes Weſen klar und offen vor ſeinen Blicken? Welches Verdienſt könnte er mir zugeſtehen, wenn das Herz ſeiner Tochter nicht vor allen die Tugenden der Freimüthigkeit und Aufrich⸗ tigkeit übte, wenn nicht meinem Vater von nun an meine ganze Liebe, mein ganzes Vertrauen ge⸗ hörte? Ja, ich will an ſeine Bruſt fliegen, ihm ſagen, daß ich ſeine Worte gehört, ſeine Güte in tiefſter Seele empfunden habe! Nichts, nichts will ich ihm fortan verſchweigen, dem beſten, dem zärt⸗ lichſten der Väter! O, Richardis, wie reich hat mich dieſe Stunde gemacht!—