— „Nun wohlan, Herr Superintendent“, ent⸗ gegnete mein Vater:„ſo vollenden Sie erſt den Religionsunterricht meiner Tochter; prüfen Sie ih⸗ re Grundſätze, ſchärfen Sie ihren Blick für die
Grundwahrheiten unſeres Glaubens, und dann laſ⸗
ſen Sie uns über ihre weitere Ausbildung nach⸗ denken. Ich weiß, Sie verſagen mir Ihren Bei⸗ ſtand nicht. Angela hat große Hochachtung für Sie, und das läßt mich um ſo mehr auf einen günſtigen Erfolg hoffen, da ich von ihrem früheren Unter⸗ richt her weiß, daß es nur denen gelang, auf ihr Gemüth einzuwirken, zu denen ſie ſich durch per⸗ ſönliche Achtung gezogen fühlte.“— Norden ver⸗ beugte ſich gegen meinen Vater.— Ich erröthete über die Worte meines Vaters, und zog mich be⸗ ſchämt in den tiefſten Hintergrund des Kabinets zurück. Kurz darauf hörte ich den Superintenden⸗
ten abrufen, worauf mein Vater mit ihm zugleich
das Zimmer verließ. Ich holte einen langen Athem⸗ zug; das ſtille Lauſchen hatte meine Bruſt beklemmt, ich trat an's Fenſter, und blickte mit einem ſelt⸗ ſam gemiſchten Gefühl in die Ferne hinaus. Als ich aus dem Kabinet trat, fand ich auf dem So⸗ pha das Papier, das ich vorher in Nordens Hän⸗ den geſehen hatte. Ich erſchrack, als ich es aus⸗ einanderfaltete; es war, denken Sie nur, liebe Richardis, es war meine eigene Handſchrift, ein
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