Ehre mache, und in keiner Art den Damen der Re⸗ ſidenz nachſtehe.“
„„Mir däucht, Herr Graf““, entgegnete Ror⸗ den,„„man ſollte dieſe Blüthen, deren Vervoll⸗ kommnung viele Kräfte erfordert, nicht eher her⸗ vorlocken und begünſtigen, bis die junge Pflanze erſt recht feſt gewurzelt iſt in dem Boden, der ſie das ganze Leben halten und tragen ſoll. Dieſer Boden iſt die Erkenntniß der höchſten Wahrheiten, oder das religiöſe Gefühl, welches erſt zur unum⸗ ſtößlichen Baſis werden muß, bevor Sie auf jenen Schmuck bedacht ſein dürfen, der nur zu vft frü⸗ her erblüht, als es dem Gedeihen der Pflanze nach zu wünſchen wäre. Glauben Sie, mein theurer Freund, es würde vieles im Leben beſſer ſtehen, wenn wir mehr dazu angehalten würden, das Gu⸗ te aus ernſter, wahrer Erkenntniß, als aus äſthe⸗ tiſchem Gefühl zu lieben und zu vollbringen. Die religiöſe Kraft iſt die dauerndſte im Leben. Der Schönheitsſinn, ſo ſehr er gepflanzt und veredelt werde, reicht oft nicht hin, bei den labyrinthiſchen Verkettungen des Lebens unſern Geiſt ſtets auf richtigem Pfade zu erhalten; daher muß jene, als ſicherſter Grundpfeiler der Moral, von dieſem be⸗ gründet und befeſtigt werden, damit nicht die Sin⸗
ne, ſondern der Geiſt die herrſchende Gewalt bleibe
im Leben.““


