Geſicht der Fremden Spuren von Thränen zu ent⸗ decken, die mich befürchten ließen, es ſei ihr etwas begegnet. Sie küßte mich, ſtatt der Antwort, auf die Stirn, und frug nach Herminen. Eben trat dieſe herein: ſie trug ein weißes Morgenhäubchen, das ihr ein ungemein ſittſames Anſehen gab, dabei war ihr Geſicht ſo roſig und heiter wie der Mai: kaum konnte ich mich beſinnen, je etwas Lieberes und Holderes geſehen zu haben.„Wieder ſo früh aufgeſtanden?“ frug die Fremde, ihr freundlich
entgegenkommend.„Zeichneten Sie etwa, liebes
Kind? ich habe Urſache zu glauben, Sie beſchäfti⸗ gen ſich gern und mit Glück mit dieſer Arbeit.“ Hermine erröthete(ſie vermuthete, wie ſie mir ſpäter erzählte, die Fremde habe in ihren Papieren geblättert, in welchen ſich mehrere Schattenriſſe und Zeichnungen befanden). Sie verneinte es ver⸗
legen, und gab eine andere Beſchäftigung vor, die
ſie abgehalten habe, früher zu erſcheinen. Nach dem Frühſtück begab ſich die Fremde mit dem Va⸗ ter in ein Nebenkabinet, wo ſie eine lange Unter⸗ redung hatten. Ich hörte meinen Vater ſehr laut ſprechen, wie er es nur thut, wenn er irgend ein Unrecht zu beſtreiten hat. Nach Verlauf einer Stunde fuhr der Wagen unſerer Dame vor. Mein Vater trat, den Ausdruck ungewöhnlicher Heiter⸗ keit auf ſeinem Geſicht, mit der Fremden aus dem
————
—,


