Teil eines Werkes 
2. Bdchn (1831)
Entstehung
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ſich allerhand zu ſchaffen, um den Empfang der Fremden vorzubereiten.

Bald trat mein Vater mit einer ältlichen Da⸗ me in's Zimmer, und machte uns mit ihrem Un⸗ fall bekannt. Ihr ehrwürdiges Alter, ihr edler An⸗ ſtand und das feine Gemeſſene ihres Betragens flößten uns bald für ſie ein Gefühl der tiefſten Hochachtung ein. Herminens gewöhnlicher Ueber⸗ muth ſchien durch die Gewalt ihres ernſten Blickes gezügelt; ſie erwiederte die Anrede der Fremden mit der ehrerbietigſten Beſcheidenheit, und bemerk⸗ te, von ihrer freundlichen Unterhaltung gefeſſelt, kaum das Mißvergnügen des Herrn von Horſt, der es kaum ertragen konnte, ſich von dem Gegen⸗ ſtande ſeiner heutigen Hoffnung immer weiter ent⸗ fernt zu ſehen. Unwillkührlich brachen bisweilen die Gedanken, mit denen ſich ſeine Phantaſie be⸗ ſchäftigte, in Wort und Blick hervor, doch ſtets gelang es Herminen, ihm durch eine glückliche Wen⸗ dung auszuweichen und ſeinen Reden eine andere Deutung unterzuſchieben.

Die fremde Dame ſchien, ſo lebhaft ſie ſich mit meinem Vater unterhielt, mit ſcharfem Blicke das Betragen Beider zu beobachten; oft glanbte ich auf ihrem Geſicht den Ausdruck heiteren Wohl⸗ wollens zu erblicken, wenn Herminens Witz die Ar⸗ tigkeiten, die ihr allein gelten ſollten, dem ganzen