Teil eines Werkes 
2. Bd. (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

145

Mein Gott! ſagte endlich die Tante, nach⸗

dem ſie mit der größten Mühe es über ſich ge⸗ wonnen hatte, faſt eine ganze Minutẽ lang zu ſchweigen,das iſt nicht auszuhalten! Sage mir um Gottes willen, Kind, wo Du ſeit einer Stunde die Gedanken haſt?

3 Alir erhob langſam ihren ſtarren und zer⸗ ſtreuten Blick auf die Tante.

Ich denke wie Sie, antwortete ſie, faſt ohne zu wiſſen, was ſie ſagte.

Du träumſt, liebes Kind!.. ſollteſt Du ielleicht Fräulein Olivia hatte geſtern in einem Buche geleſen, daß das Träumen ein Symptom der Liebe iſt. Sie war im Begriff, über dieſen Ge⸗ genſtand eine directe Frage an ihre Nichte zu thun, aber ſie wagte es nicht. Der feſte und würdige Character des jungen Mädchens, impo⸗ nirte dem Fräulen gewiſſermaſſen.

Liebes Kind, fuhr ſie mit einer unverkenn⸗ baren Schlauheit fort,findeſt Du nicht auch, daß er ein reizender junger Mann iſt?

Ich muß ihn ſprechen! ſagte Alix mit Entſchloſſenheit.

Ihn ſprechen willſt Du, ihn ſprechen? Wie e meinſt Du dies, mein Engel? Es giebt verſchie⸗ e deneArten, mit Jemandem zu ſprechen; die einfache Unterhaltung, ein anſtändiges Vergnügen, das ſich Jeder erlauben darf; das vertrauliche Ge⸗

Der Wald von Rennes. I. 10

M