— 143 ihre mit Thränen gefüllten Augen, Alles kündigt irgend ein Unglück an.
„Wo iſt Blanca?“ ruft Urbain, Margarethen mit Entſetzen betrachtend. Die Alte vermag bloß einen tiefen Seufzer auszuſtoßen. Schon iſt Urhai ihr: er eilt in das Zimmer ſeiner Gellebten, allein dieſes Zimmer iſt leer; Blanca verſchöyert es nicht mehr.
Margarethe iſt dem jungen nſchen von ferne nachgefolgt.„Um's Himmels en!“ ruft Urbain, auf ſie zueilend,„wo iſt ſie? V ergen Sie mir nichts.“
„Mein urmer Junge, affen Sie Ihren ganzen Muth zuſammen: dieſe acht hat man uns dieſes theure Kind geraubt.“
Urbain bleibt wi eingewurzelt ſtehen und Mar⸗ garethe erzählt ihm Alles, was ſie weiß. Er hört ihr zu, ohne ſie un rbrechen und ſcheint noch an ſeinem
Unglücke zu zweifeln; bald aber überläßt er ſich, auf geinen Stuhl ſinkend, den Blanca gewöhnlich einzu⸗ nehmen pflegte, der wildeſten Verzweiflung. Seine Thränen flleßen jedoch und überſchwemmen ſein Ge⸗ ſicht. Im neunzehnten Jahre weint man noch über die Leiden und Mühſeligkeiten des Lebens; man beſitzt in dieſem Alter jene Seelenſtärke noch nicht, die man ſich in der Schule des Unglücks erwirbt. Margarethe ſucht Urbain zu tröſten und ſagt zu ihm:„Sie werden es wieder finden, dieſes liebe Kind, denn Sie ſind nicht im Stande, ſie zu vergeſſen, ſich
über ihren Verluſt kalt zu tröſten!“
„Ich ſie vergeſſen?“ ſagte Urbain, der guten Alten
die Hände drückend;„ach, Margarethe! hängt mein


