ihn nicht zurück; denn das Uebermaß der Unſchuld hat auch ſeine Gefahren. Allein in dieſem Augenblicke klopft man heftig an die Thüre des Zimmers, und die furchtbare Stimme des Barbiers läßt ſich in fol⸗ genden Worten vernehmen:„Oeffnen Sie, Blancal öffnen Sie, ich befehle es Ihnen.“ Der junge Student ſcheint ganz verſteinert, und Blanca bleibt regungslos in Urbains Armen liegen.
Zweites Kapitel. Wer hätte ſich darauf verſehen?
Die derbe Ohrfeige, welche Urbain dem gascogni⸗
ſchen Ritter verſetzte, hatte das Männchen ſo betäubt,⸗ daß er einen Augenblick beſinnungslos auf dem Boden liegen geblieben war; als er ſich aber wieder erholt
hatte, ſtand er mit einer Art Entſchloſſenheit auf, und
nachdem er die Hände an ſeine noch brennende Wange gelegt hatte, rief er:„Nein, alle Teufel, es ſoll nicht geſagt werden, daß Venus ſich den Anordnungen des Mars entziehe, und ihre Tugend ſoll für dieſe Ohr⸗ feige hart büßen.“
Alsbald verfolgt er die Spur ſeiner Venus, die
ſich, über die Goſſen hüpfend, entfernte. Seine kleinen ſcharfen Augen erkennen die Perſon, die er verfolgt⸗
in dem Augenblicke, in welchem Urbain, vor dem
Hauſe des Barbiers angekommen, in die Hausflur trat, die ſogleich wieder hinter ihm verſchloſſen wurde. Chaudoreille kennt das Haus des Barbiers zu gut,


