„Ach, mein Goit! nähern Sie ſich mir nicht, ich bitte Sie.“ „Ach, zittern Sie nicht, ich liege zu Ihren Füßen,
der unterwürfigſte aller Liebhaber.“
„Aller Liebhaber? Ich weiß nicht, was ein Lieb⸗ haber iſt.“ 3
„Um Sie ſehen zu können, um Ihnen die ganze Liebe, die ich für Sie fühle, zu bekennen, habe ich dieſe Verkleidung angenommen. Wie hätte ich ſonſt bis zu Ihnen gelangen können, da Sie beſtändig in dieſes Zimmer eingekerkert ſind?“
„Ach! ich ſollte Sie vielleicht nicht anhören. Wie! Sie fühlen Liebe füe mich?“
„Durch dieſes Fenſter habe ich Sie das erſte Mal erblickt; es ließen ſich gerade da unten auf der Straße Sänger vernehmen: Sie ſchienen denſelben mit Ver⸗ gnü gen zuzuhören; des Nachts bin ich zurückgekommen und habe unter Ihrem Fenſter die Romanze geſungen, für die Sie eine ſo große Vorliebe haben.“
„Sie waren es!“ ruft Blanca freudig, und, ihren erſten Schrecken vergeſſend, blickt ſie Urbain mit größerer Zuverſicht an. Ihr unſchuldiges und reines Herz vermag nicht alle Gefahren ihrer Lage zu be⸗ greifen; ein erfahreneres junges Mädchen würde ge⸗ ſchrien und ſich ſehr erzürnt gezeigt haben; allein Blanca, deren Seele jeder Heuchelei fremd iſt⸗ legt ſchon großes Zutrauen gegen den jungen Studenten an den Tag, weil ſie keinen einzigen Gedanken hat, über den ſie erröthen dürfte.
„Wie, Sie waren es!“ wiederholt ſie noch einmal;


