123 Chaudoreille nicht, und nachdem dieſer mehrmals ver⸗ geblich wiederholt hat, daß er ſeit dem Abend des vorigen Tages noch nichts gegeſſen habe, und bemerkt, daß dieſer nicht darauf achtet, verläßt er den Laden und murmelt erzürnt zwiſchen den Zähnen:„Die Leute, welche reich werden, ſind ſtets gefühllos und filzig... das iſt ein Fehler, den ich nie haben werde.“
Einige Stunden nach dieſer Unterhaltung begeg⸗ net der Barbier, während er ſich zu ſeinen Kunden begibt, in der Nähe des Louvre dem glänzenden Villebelle, der, in ſeinen Mantel gehüllt, guter Dinge zu ſein ſcheint.
„Ich habe geſiegt, mein Theurer,“ ſagte er, Tou⸗ quet unter eine Säulenhalle ziehend, wo man ſie nicht hören konnte;„Julia hat ſich ergeben; allein in der That, dieſe Eroberung iſt weit ſchwieriger gewe⸗ ſen, als ich geglaubt hätte. Dieſes junge Mädchen iſt leidenſchaftlich... ich habe ſie glauben gemacht, daß ich ſie liebe... in der That, ihr ſeltſamer Cha⸗ rakter, ihr Stolz in Verbindung mit ihrer Zärtlich⸗ keit, die Sonderbarkeit ihres Betragens, ihrer Reden hat mich faſt gefeſſelt... fie bat von Eſtrelle ge⸗ ſprochen... ich weiß nicht, wie ie dieſes Abenteuer erfahren hat...“
„Dieſes junge Mädchen weiß doch Alles,“ ſagte der Barbier bei ſich. 4
„Uebrigens,“ fährt der Marquis fort,„ſcheint es mir, daß ſie Dich nicht ſehr liebt, mein armer Tou⸗ quet, Du biſt ſchlecht bei ihr angeſchrieben: ſie ſagt⸗ Du ſeieſt ein Meiſter in der Spitzbüberei..“


