Teil eines Werkes 
2. Th. (1845)
Entstehung
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Den Tag über legt Urbain ſeine gewöhnlichen Kleider wieder an, und ſobald die Nacht einbricht, zieht er ſie aus, um ſich wieder in die weibliche Tracht zu hüllen, an die er ſich immer mehr gewöhnt. Zudem iſt die Nachbarin ſtets bereitwillig bei der Hand, wenn es ſich davon handelt, den jungen Men⸗ ſchen zu verkleiden; ſie iſt ungemein gefällig gegen ihn und ſpart ihre Lehren nicht. Urbain weiß ſie zu benützen, weil ein junger Menſch ſich beſſer darauf verſteht, ein Halstuch zu zerrunzeln, als es anzulegen, und ein Jüngling, der bis zum Wahnſinne verliebt iſt, zuweilen große Zerſtreuungen hat, während wel⸗ chen die Hülfe der jungen Magd ihm ſehr nothwen⸗ dig iſt.

Urbain hat ſich zur beſtimmten Zeit eingefunden, und Margarethe ihn mit demſelben Ceremoniel wie am Abend zuvor eingeführt. Blanca empfängt ihn auf die liebenswürdigſte Weiſe, und in dem Augen⸗ blicke, in welchem er ihr eine beſcheidene Verbeugung macht, gibt ihm das treuherzige Kind einen ſanften Kuß auf jede Wange. Einen Augenblick lang iſt Urbain außer ſich, ſein Herz entbrennt, und hätte ihn nicht Margarethens Stimme wieder zum Bewußtſein gebracht, ſo würde er Blanca an ſein Herz gedrückt und ihr die empfangenen Küſſe hundertfältig zurück⸗ gegeben haben. Allein die Alte, ſtets begierig, die außerordentlichen Abenteuer, welche auf den Talis⸗

man Bezug haben, erzählen zu hören, ſagt Urbain,

an das Kamin hinziehend:Wohlan, meine Kinder, laßt uns die Zeit nicht durch eitle Ceremonien ver⸗