Teil eines Werkes 
2. Th. (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

107

Mit dieſen Worten deutet Blanca auf ihren Bu⸗ ſen, und ihr Halstuch halb öffnend, gibt ſie Urbain ein Zeichen, in ihr Mieder zu blicken. 1

Dieſer läßt ſich nicht lange bitten; ſein Auge ſchaut mit Entzücken unter das Mieder des liebenswürdigen Kindes, das die Güte hat, es halb offen zu halten, damit er beſſer ſehen könnte. Zwei ſchöne Roſen⸗ knospen ſind da verſchloſſen, und Urbain, der dieſen Schatz, den noch kein profanes Auge bewundert hat, und tauſend Schönheiten, welche die Einbildungs⸗ kraft ſich nicht reizender vorzaubern kann, entdeckt, ruft unwillkürlich aus:Ach, welche Reize!

Nicht wahr, ſagte Blanca lächelnd,das iſt ſchöner als jenes Stück Tuch?

Urbain kann nicht antworten; er bleibt regungs⸗ los ſtehen, die Augen immer noch auf den Ort ge⸗ heftet, wo das liebenswürdige Kind ſeinen Talisman verborgen hat, indeß Margarethe das Stück Tuch immer noch erſtaunt anſchaut, es küßt und zu wie⸗ derholten Malen ausruft:Dieſer hat ſeine Proben abgelegt!... er iſt noch weit koſtbarer!

Blanca hat ihr Halstuch wieder zurückgelegt, und Urbain, noch ganz aufgeregt durch das, was er ſo eben geſehen hat, ſtößt einen tiefen Seufzer aus. Was haben Sie? ſagte das Mädchen, den jungen Menſchen, den ſie für eine bloße Bäuerin hält, mit Rührung anblickend;Sie ſcheinen Kummer zu haben?

Ach, Mademoiſelle, ich denke daran, daß ich allein und ohne Hülfe in dieſer Stadt bin... daß ich weder Verwandte noch Freunde habe...