—
4
101
ſal mit mir, ich bin auch Waiſe, und hätte ſich Tou⸗ quet meiner nicht angenommen, ſo hätte ich mein Brod durch Händearbeit verdienen müſſen.“
„Sie, Mademoiſelle?“ ſagte Urbain mit Feuer; allein er beherrſcht ſich und ſetzt mit halblauter Stimme hinzu:„Das wäre ein großes Unglück ge⸗ weſen.“
„Meine theure Blanca,“ ſagte Margarethe,„nicht damit Sie ihr Ihre Geſchichte erzählen, ſondern da⸗ mit ſie uns ein Geheimniß⸗ das ſie angeht, mittheile, iſt ſie hierhergekommen... Wohlan, Urſala, ſprech' ſie doch!“
Urbain ſeufzt: er möchte lieber der ſchönen Blanca zuhören, als für Margarethen ſprechen, allein er muß die Wünſche des alten Mädchens erfüllen, er bedarf ihrer, und dadurch, daß er ihre Neugierde immer rege erhält, hofft er Blanca oft zu ſehen. Er beginnt daher ſeine Erzählung, ſeine Miene ſtets entſtellend. Während er ſpricht, hat das liebenswür⸗ dige Kind die Augen ſtets auf ihn geheftet, eine Gunſt, die er ſeiner Kleidung verdankt, die ihn aber den Faden ſeines Geſprächs oft verlieren läßt.
„Sie haben ohne Zweifel von Johanna Harvi⸗ liers, die vor einem Jahrhundert durch ihre Zaube⸗ reien und Hexereien ſo berühmt geworden iſt, ſprechen gehört?“
„Nein, niemals,“ ſagte Margarethe, ihren Stuhl näher zu Urbain hinrückend und ihren Hals vor⸗ ſtreckend, weil das Wort Zauberei bereits eine elek⸗ triſche Wirkung auf die alte Magd hervorgebracht


