Herren beſuchten die Häuſer der Schenkwirthe, welche die Reſtaurateurs der frühern Zeit waren.
Während er ſein beſcheidenes Mahl einnahm, ſagte Urbain zu ſich:„Wie ſoll ich ſie ſehen? wie ſoll ich mich ihr zu erkennen geben? Blanca! der hübſche Name! wie er ſo gut für ſie paßt! Allein dieſer Barbier ſcheint nicht ſehr umgänglich; ſein Haus iſt eine wahre Feſtung; dieſes reizende Mädchen muß jedoch wiſſen, daß ich ſie liebe, daß ich ſie anbete. Dieſen Morgen hörte ſie den Sängern zu; die letzte Romanze, welche ſie geſungen haben, ſchien ihr großes Vergnügen zu machen. Ich kenne ſie, dieſe Romanze; wohlan! ich will ſie dieſen Abend unter ihrem Fen⸗ ſter ſingen; vielleicht wird ſie ſich zeigen, vielleicht wird ſie ihr Fenſter öffnen, um friſche Luft einzu⸗ athmen.“
Die Luft war ein wenig ſcharf, denn man be⸗ fand ſich in einer ſtrengen Jahrszeit; allein ein Lie⸗ bender glaubt ſich ſtets im Frühlinge. Entzückt von ſeinem Gedanken läuft Urbain nach Hauſe, um ſeine Guitarre zu holen, und harrt mit Ungeduld auf den Augenblick, in welchem die Straßen leer ſind, um einem Mädchen, das er nicht kennt, ein Abendſtänd⸗ chen zu bringen.
Dieſe ſpaniſche Sitte war damals in Frankreich ſehr gebräuchlich; es gibt ſogar noch viele kleine Städte⸗ in denen ſie ſich erhalten hat und in denen die Lie⸗ benden zwiſchen zehn und eilf Uhr Abends, ſich mit der Guitarre begleitend, ihre Liebesgefühle im Ge⸗ ſange ausſtrömen. Allein in den großen Hauptſtädten


