Teil eines Werkes 
2. Th. (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

Heutigen Tages iſt die Liebe feiner: man wünſcht vor Allem, zu gefallen, und mit ſeinen Guineen will ein fetter Lord ebenſowohl das Herz als die Hand einer ſchönen Tänzerin rühren, und dieß gelingt ihm, weil die Tänzerinnen im Allgemeinen das Herz in der Hand haben.

Während Urbain ſich mit der ganz einfachen Be⸗ trachtung, daß er ſich vor Allem die Zuneigung der Waiſe erwerben müſſe, beſchäftigte, warf er die

Augen auf einen kleinen Spiegel oberhalb ſeines Ka⸗ mins. Der Spiegel wiederſtahlte Urbain ſehr ſchöne Augen, denen die Liebe einen zärtlichen und ſchmach⸗ tenden Ausdruck verlieh, gut gewölbte Augenbrauen, einen angenehmen Mund, eine edle Stirne, kurz ein

Ganzes, das ein junges Mädchen nicht in die Flucht

treiben konnte, und ziemlich zufrieden mit dem Spie⸗ gel, lächelte der Liebende ſich ein wenig an, indem er ſagte:Warum ſollte ſie mich nicht lieben? Nichts macht kokettiſcher als die Liebe.

Unſer Liebhaber brachte den Tag damit zu, daß zer Pläne entwarf, an den Spiegel ging und Seufzer ausſtieß. Die Nacht kam; er fühlte jetzt, daß er den

ganzen Tag über noch nichts gegeſſen habe; nur die

ohne Hoffnung Liebenden haben keinen Appetit(wie ſie wenigſtens ſagen). Da Urbain noch keine Urſache hatte, an der Gegenliebe der Waiſe zu verzweifeln, ſo begab er ſich in eine beſcheidene Schenke. Dieſer Name bezeichnete damals keinen Ort, an welchem man ſchlechte Geſellſchaft traf. Peter Corneille, Bois⸗Ro⸗ bert, Rotrau, Colletet, Scarron und ſelbſt viele große