Teil eines Werkes 
2. Th. (1845)
Entstehung
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hatte, vor Augen, und er brannte vor Begierde, ſie von Angeſicht zu Angeſicht zu betrachten. Was er in dem Bäckerladen gehört, hatte ſeine Hoffnungen be⸗ ſtärkt und ſeine Liebe vielleicht erhöht, denn es lag etwas Romantiſches in der Geſchichte der jungen Waiſe. Die außerordentlichen Dinge entflammen die Einbil⸗ dungskraft, und die eines Verliebten fängt ſehr leicht Feuer.

Allein ehe man die Hinderniſſe, die dem Beſitze des geliebten Gegenſtandes entgegenſtehen, aus dem Wege zu räumen ſucht, muß man ſich die Zuneigung dieſes Gegenſtandes erwerben, weil ſonſt alle Plane, die man entwirft, zu nichts führen. Man trotzt der Eiferſucht eines Nebenbuhlers, dem Späherauge eines Vormünders, dem Zorne der Rache und den Dolchen von tauſend Arguswächtern, allein man trotzt nicht der Gleichgültigkeit der Perſon, die man liebt: vor dieſem Hinderniſſe verſchwinden alle Glücksträume; ein von wahrer Liebe ergriffenes Herz will ein Herz finden, das dem ſeinigen antwortet; jene thieriſche

Liebe, die ſich mit dem Beſitze des Körpers begnügt⸗

ohne ſich um den Beſitz der Seele zu bekümmern, konnte nur bei den ehemaligen kleinen Tyrannen ſtatt⸗ finden, welche die Reiſenden plünderten und eine Frau

mit dem Degen in der Fauſt eroberten, ſie dann hin⸗

ter ſich auf ihr Pferd ſetzten, wie ein Mauthbeamter

ſich einer verbotenen Waare bemächtigt, und davon eilten, um ſich mit ihrer Beute in ihrem Schloſſe zu ver⸗ gnügen, ohne es ſich viel kümmern zu laſſen, daß ihre

rohen Liebkoſungen durch Thränen beantwortet wurden.