ſich den Beſitz ſeiner Schönen nicht geſichert hat!“— Frau von Merville theilte die Anſicht ihres Gatten nicht; ſie befürchtete, Karl möchte ſeine Gefühle an einen unwürdigen Gegenſtand verſchwendet haben. Da ſie aber entſchloſſen war, den einmal gefaßten Plan zu verfolgen, ſo ſuchte ſie ihren Sohn auf, den ſie, ſeiner Gewohnheit gemäß, an dem einſamſten Orte des Parkes fand.
„Du liebſt die Einſamkeit recht, Karl?“—„Das iſt wahr, Mutter! ich dachte...“—„An Etwas, was Dich allem Anſcheine nach ſehr beſchäftigt. Höre, Karl, geſtehe aufrichtig, daß Du große Luſt haſt, Dich wieder von hier zu entfernen.“—„Wenn dieß der Fall wäre, ſo müßte mich ein bedeutender Grund hiezu beſtimmen.“—„Dieſer Meinung ſind wir, Dein Vater und ich, auch.“—„Wie?“—„Mein Freund! Da Du die Geheimniſſe Deines Herzens Deinen Eltern nicht mittheilen willſt, ſo handeln wir offener gegen Dich. Es zieht Dich Etwas an einen andern Ort hin, das wäre für viele Eltern ein Grund, Dich nicht von ſich zu laſſen; wir denken aber anders: der Zwang erbittert die Herzen nur und verſtärkt die Leidenſchaften, ſtatt ſie zu beruhigen. Geh', mein lieber Karl, ſieh' das Mädchen wieder, welches Du liebſt, überzeuge Dich von ihrer Treue, laß Dich aber
ja nicht durch den äußern Anſchein täuſchen!...
Dein Vater und ich lieben Dich zu ſehr, als daß wir uns Deinem Glücke widerſetzen ſollten, und Du
wirſt uns auch in ſo weit lieben, daß Du Deine
Neigung nur einem würdigen Weſen ſchenkeſt.“


