104
wenn ich mit dieſem Plane umging und im Begriffe war, nach Frankreich zurückzukehren, erhielt ich ano⸗ nyme Briefe, in welchen mir Adhemars Aufführung bis in's Detail geſchildert war; man verſchonte mich mit keiner ſeiner Unbeſonnenheiten, keiner ſeiner Lieb⸗ ſchaften. Die Folge davon war dann das Wieder⸗ erwachen meines Unwillens, meiner Eiferſucht und das gänzliche Aufgeben des Gedankens, mich wieder mit ihm auszuſöhnen. Als ich in Paris ankam, er⸗ fuhr ich, daß er jetzt eine gewiſſe Emmeline zur Geliebten habe und wahrſcheinlich würde man mir auch ſeine Verbindung mit Dir geſchrieben haben, wenn Du mich nicht ſelbſt davon in Kenntniß geſetzt hätteſt. Jetzt weißt Du Alles... Der Sohn Adhe⸗ mars iſt in Saint⸗Maur bei einer braven Bäuerin, die ihn in guter Pflege hat; ich gehe beinahe alle Tage hin, um ihn in meine Arme zu ſchließen; heute hoffte ich endlich, ihm ſeinen Vater wiederzugeben. Als ich vernahm, daß Adhemar unglücklich ſei, mußte ich all' ſein begangenes Unrecht vergeſſen. Ich hatte ſeine Adreſſe aufgefunden... ich ſchrieb ihm, daß Alles vergeben ſei... ich hatte die Abſicht, ihm die ſüßeſte Ueberraſchung dadurch zu bereiten, daß ich ihm ſeinen Sohn in die Arme lege... allein ſieh' hier, was er mir antwortete... jetzt iſt er fort und Niemand weiß, was aus ihm geworden iſt.“
Mathilde nahm den Brief zitternd, den ihr Car⸗ leſia hinbot; nach Leſung deſſelben wandte ſie den Kopf ab und ſenkte die Blicke zur Erde.
„Er hält mich für ſchuldig!“ rief Carleſia;„ach!


