„Es iſt gerade einer da,“ verſetzte Frau Coque⸗ nard,„er ſteht ſchon vor dem Hauſe; Madame iſt jedoch nicht im Stande, ſich allein zu entfernen.— Ich erbiete mich, die Madame bis nach Hauſe zu be⸗ gleiten,“ ſagte Trouillade, ſchmachtende Blicke auf Mathilde werfend.—„Ich danke Ihnen, mein Herr! Ihren Arm bis zum Wagen, das iſt Alles, was ich von Ihrer Höflichkeit verlange.“ 1
Mathilde ließ hierauf ein Zehnfrankenſtück in die Hand der Pförtnerin gleiten, die ihr gerührt dafür dankte, nahm Trouillad's Arm und ließ ſich von ihm über das Boulevard führen; ſie ſtieg ſofort in einen Wagen, dankte dem Virtuoſen nochmals, der ſich vor dem Kutſchenſchlag en Figaro aufpoſtirte, und ließ ſich zu Carleſia führen.
Alle dieſe Gänge Mathildens hatten Zeit gekoſtet; es war jetzt nahe an zwei Uhr. Carleſia befand ſich allein in ihrem Zimmer, in jenen ſtummen, düſtern Schmerz verſunken, der das Verlorengeben der letzten Hoffnung zu begleiten pflegt, als ſich raſch die Thüre öffnete und Mathilde vor ihr erſchien. Sie war jedoch ſo bleich, ihr Zittern war ſo heftig und ihre Augen waren vom Weinen ſo roth und angeſchwollen, daß Carleſia über ihren Zuſtand in Schrecken gerieth; ſie wollte eben ihrer Freundin entgegengehen, als Ma⸗ thilde ſich ihr zu Füßen warf, eine ihrer Hände er⸗ griff, mit ihren Thränen benetzte und ſtotterte:„Ver⸗ geben Sie mir! Sie ſind ſeine Gattin, ich weiß jetzt Alles. Ach! wie verachtungswürdig muß ich Ihnen erſcheinen.“


