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In der Hoffnung, eine Beſchäftigung ausfindig zu machen, las Adhemar nun jeden Tag den Anzei⸗ ger. So oft er las:„Man ſucht einen Commis, einen Buchhalter,“ oder ähnliche Artikel, notifizirte er ſich die Hausnummer und begab ſich andern Tages an den im Journal bezeichneten Ort. Da Adhemars Kleidung ſtets im beſten modiſchen Zuſtand war, da ſein Auftreten einen Stutzer und ſeine Manieren einen Mann von der guten Geſellſchaft vermuthen ließen, ſo wurde ihm überall ein ſehr guter Empfang zu Theil; die Domeſtiken ließen ihn nicht im Vorzimmer war⸗ ten wie ſo viele arme Teufel, die auch eine Stelle ſuchen, deren Aufzug jedoch Alles, nur nicht glän⸗ zend iſt. Der Vorſtand des Commiſſionsbureaus be⸗ grüßte ihn dann mit einem tiefen Bückling, präſen⸗ tirte ihm einen Sitz, und ſagte mit einem ſüßlichen Tone:„Womit kann ich die Ehre haben, Ihnen zu dienen?“
Setzte dann Adhemar den Zweck ſeines Beſuches auseinander, ſo ſah man ihn mit großen Augen an und ſagte:„Sie ſuchen doch nicht für ſich ſelbſt eine ſo beſcheidene Stelle, mein Herr?— Doch, mein Herr! Sie entſchuldigen.— Es hat durchaus nicht den Anſchein, als ob Sie einer benöthigt wären.. doch, Sie wollen vielleicht das Handelsfach erlernen. — Ganz recht, mein Herr!“
Der Vorſtand ſchloß dann immer ſeine Unter⸗ redung damit, daß er Vorſchuß forderte. Will man Buchhalter werden, muß man Kaution ſtellen; will man Commis werden, ein halbes Jahr Ueberzähliger


