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Italien erinnere ich mich eine junge Schauſpielerin vom Boulevardtheater gekannt zu haben, die in der Straße Malta in einem ſehr beſcheidenen Hotel garni wohnte; ein ſolches ſteht mir in meiner jetzigen Lage wohl an. Will ich mir noch Andere zu Dank ver⸗ pflichten, ſo iſt es Zeit, daß ich auf dem eingeſchränk⸗ teſten Fuße lebe.“
Adhemar ließ ſich ſofort in ein kleines Hoôtel garni in der Straße Malta führen, wo man ihm für vierzig Franken monatlich, wovon er fünfzehn zum Voraus bezahlen mußte, ein kleines, ziemlich hübſches und erträglich möblirtes Zimmer zur Wohnung einräumte. Die Wahrheit zu ſagen, ſo ſchloßen die Schlöſſer der Möbeln nicht gut, die Schubladen wollten ſich nicht ſchieben laſſen, die Seſſel waren altersſchwach, die Käſten hatten den Eigenſinn, ſich dem Oeffnen ihrer Thüren zu widerſetzen; allein Adhemar hatte den feſten Entſchluß gefaßt, den Philoſophen zu machen und mit Allem zufrieden zu ſein.
In Folge dieſes Entſchluſſes ſuchte er jetzt, an⸗ ſtatt um vierzig Sous zu diniren, wie dieß vor ſeiner Reiſe nach Havre der Fall geweſen war, viel beſchei⸗ denere Koſthäuſer auf. Da es in Paris Traiteurs für alle möglichen Börſen gibt, ſo durfte er nicht lange nach einem Reſtaurant zu zweiundzwanzig Sous ſuchen. Es war zwar, offen geſagt, ganz oben in der Straße Saint⸗Jaques, allein er ließ ſich durch den weiten Weg nicht abſchrecken: er hatte zum Spa⸗ zierengehen die ungeſtörteſte Muße, und eine Fußtour vor dem Eſſen macht Appetit.


