Kranke? Recht ſchwach, nicht wahr? Potz Velten! Der Arzt verordnet ihr Milch und ſie verlangt ge⸗ füllten Truthahn. Ich bin recht in Verlegenheit; ſetzen Sie ſich an meine Stellel!...“
Adhemar drückte der Wärterin ein Zehnfranken⸗ ſtück in die Hand und ſagte:„Laſſen Sie ja an der Pflege nichts abgehen und thun Sie vor allen Din⸗ gen Ihr Möglichſtes, daß ſie Vernunft annimmt.“
Die Freude über den Empfang eines ſo anſehn⸗ lichen Geldſtücks ließ Frau Lichor eine Bewegung ma⸗ chen, aus der man faſt ſchließen mußte, es ſei auf eine Embraſſirung des jungen Mannes abgeſehen; derſelbe entzog ſich jedoch dieſer Zärtlichkeit durch einige Schritte, die er rückwärts machte, während Frau Lichor mit gerührtem Tone rief:„Ach, mein lieber Herr! gut pflegen ſoll ich ſie? O, von ganzem Herzen ſoll das geſchehen! Das iſt ja meine Amts⸗ pflicht, Ihnen zu dienen. Allein dieſe kleine Frau iſt lecker wie eine Katze: bald will ſie Dieß, bald Das. Denken Sie ſich an meinen Platz, mein Freund! Erſt vorgeſtern, was meinen Sie? wollte ſie Salat und hartgeſottene Eier, Ihnen zu dienen...“
Adhemar hielt es für überflüſſig, ihr weiter zuzu⸗ hören; er überließ Frau Lichor ihrem Selbſtgeſpräche, ſtieg die Treppe herab und ſagte:„Nun wollen wir an uns denken! Ich habe eine Wohnung nöthig, allein ich werde mich hüten, wieder Möbeln zu kaufen, denn ich komme allemal gar zu ſchlecht weg, wenn ich ſie wieder verkaufen muß; wählen wir uns daher dieß⸗ mal eine möblirte Wohnung. Vor meiner Reiſe nach


