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Vergnügen, die Gefallſucht, jenes flatterhafte, ſorg⸗ loſe Weſen führt, das nur der Gegenwart lebt und ſich aller Gedanken an die Zukunft entſchlägt! Mein Gott! mich dünkt, ich könnte von all dieſen Bemer⸗ kungen die Nutzanwendung auf mich ſelber machen.“
Madame Lichor rapportirte mit einem, wie ſie glaubte, höchſt anmuthigen Weſen:„Sie können ein⸗ treten, mein Herr; Madame iſt vollkommen ſichtbar, Ihnen zu dienen.“
Adhemar ließ die Wärterin nicht weiter ſprechen; er trat in das anſtoßende Zimmer, das wenigſtens möblirt war. Hier traf er Pepita auf einer Art Sopha liegend, die Füße hatte ſie auf einem Polſter ruhen. Obwohl leidend und ſchwach, war ſie doch immer noch Kokette. Die Haube, die ſie auf dem Kopfe hatte, war ſehr hübſch und ihr Haar ſorg⸗ fältig geflochten.
Beim Anblick Adhemars verrieth die junge Ita⸗ lienerin durchaus keine Ueberraſchung, nur ein leichtes Lächeln ſpielte auf ihrem Geſichte; Adhemar dagegen war ſchmerzlich betroffen, als er die Veränderung wahrnahm, welche mit den Zügen Pepita's in ſo kurzer Zeit vorgegangen war.—
„Es ahnte mir, Sie ſeien es,“ ſagte die Kranke, Adhemar durch ein Zeichen zum Sitzen auffordernd. —„und was konnte Sie auf die Vermuthung führen, ich würde zu Ihnen kommen?— Alle meine Anbeter verließen mich, wer konnte alſo außer Ihnen zu mir kommen... wer als Sie, der nicht mehr mein An⸗ beter iſt! Hätte ich Ihre Adreſſe gewußt, ſo hätte


