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Carleſia hatte den kleinen Knaben auf ihrem Schooß. Von Zeit zu Zeit umarmte ſie ihn, ſpielte mit ihrer Hand in ſeinen Haaren und ſchien ihn mit Rührung zu betrachten. Bald machte ſich die kind⸗ liche Stimme des kleinen Karl vernehmlich und die⸗ jenigen, die ſich hinter dem Buſche verſteckt hatten, verloren kein Wort von ſeinem Selbſtgeſpräch:„Meine liebe gute Mama, hätte ich nur auch eine Kutſche mit einem Rappen, dann thäte ich meinen Hanswurſt im Garten ſpazieren fahren.— Ich werde Dir Einen bringen, mein Lieber; Du weißt wohl, daß ich Dir Alles gebe, was Du von mir willſt.— Ja, Du biſt recht gut.— Und haſt Du mich auch recht lieb?— O ja!— Und die Mutter gibt Dir keine Schläge, nicht wahr?— O nein, ſie ſpielt mit mir und Pe⸗ terchen auch, er iſt recht artig, Peterchen.“
Carleſia umarmte das Kind zärtlich, indem ſie wieder flüſterte:„Armer Kleiner.“ Sie überliß ſich dann ziemlich lange Empfindungen und Gedanken, die nicht heiterer Natur ſein konnten, aus den Thrä⸗ nen zu ſchließen, die langſam ihren Augen entfloßen und die ſie nicht einmal zu trocknen gedachte. Sie erhob ſich endlich vom Raſen, nahm den Kleinen bei der Hand und ſagte zu ihm:„Komm, Karl, wir müſſen zu Madame Mignot zurückkehren.“
Carleſia ging mit dem Kinde auf dem Fußweg wieder nach dem Häuschen zurück; in kurzer Zeit hatte man ſie aus dem Auge verloren. Die zwei Perſonen jedoch, die ſie beobachtet hatten, blieben auf ihrem Standorte zurück: Adhemar, niederge⸗


