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einen ſehr hübſchen Feldweg hinabgehen, der an's Ufer des Fluſſes führte. Dort hinderten oftmals Geſträuch und Weidenbüſche den Ausblick nach vor⸗ wärts. Von Zeit zu Zeit ſtand Mathilde ſtill, ſpähte, horchte, ließ jedoch den Arm ihres Begleiters nicht fahren. Adhemar ließ ſeine Augen unruhig nach allen Seiten ſchweifen, ſprach aber keine Silbe. Plötzlich hielt Mathilde im Laufe inne, drängte Adhemar einige Schritte rückwärts und ſagte ganz leiſe zu ihm:„Sie iſt da.... ſie ſitzt unter einem Weidenbuſche..Glücklicher Weiſe bemerkte ich ſie noch gerade recht... einige Schritte mehr und ſie hätte uns geſehen... Halt! wenn wir uns hieher
machen, werden wir ganz nahe bei ihr ſein und ſie
uns doch nicht ſehen können.“
Adhemar beſiel ein Zittern: er war ſo eben eine
Frau gewahr geworden, die auf dem Raſen ſaßz es wollte ihm die Kraft zum Vorwärtsgehen gebrechen. Allein Mathilde faßte ihn bei der Hand, führte ihn, und bald konnte er durch die Blätter eines Buſches
hindurch Carleſia und den kleinen Knaben, den ſie
auf dem Schooße hatte, mit aller Bequemlichkeit beobachten.
Eine Todesbläſſe überzog Adhemars Geſicht, als er Madame Valmiran erkannt hatte. Mathilde be⸗ merkte es und gerieth darob in Beſtürzung; ſie drückte ihm heftig die Hand und ſagte ganz leiſe zu ihm: „Wohlan! Muth, mein Herr, Muth!... Gebrach er doch mir nicht... und Sie leiden gewiß nicht ſo ſehr wie ich.“


