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Nebenwegen, ohne das Häuschen aus dem Auge zu verlieren; bald darauf ſah ich Carleſia, einen kleinen Knaben an der Hand, der zwei Jahre oder etwas drüber zählen mochte, herauskommen.“
„Sie ſahen ſie mit dieſem Kinde?“ rief Adhemar, Mathilden ſcharf anblickend.—„Allerdings, mein Herr, ich ſah ſie. Ach! der Blick, mit dem Sie mich jetzt anſehen, muß Ihnen wohl die Augen öffnen: nicht wahr, Sie finden mich recht verändert; meinen Sie, Sie haben mir genug Kummer gemacht?— Bitte, Madame, erzählen Sie doch vollends.— Ach! Sie haben Recht, ich machte mich wieder zum Gegen⸗ ſtand meiner Rede, als ob Sie dieß intereſſirte! Ich ſah alſo Madame Valmiran mit dem erwähnten Kinde; ſie ging ziemlich lange am Ufer der Marne mit ihm ſpazieren. Ich konnte ihr nur aus großer Entfernung folgen, weil ich nicht geſehen ſein wollte; daher verſtand ich nicht, was ſie zu dem Kinde ſagte,
ſah aber, daß ſie es alle Augenblicke herzte und um⸗
armte. Ja, ſie ſchien große Liebe zu ihm zu haben. Endlich führte ſie es wieder in das Häuschen zurück, ſtieg nach einer Weile wieder ein und fuhr davon. Dießmal folgte ich ihr nicht; nachdem ich mich vielmehr vergewiſſert hatte, daß ſie fort war, ging ich eben⸗ falls in jenes Haus unter dem erſten beſten Vor⸗ wand. Da fand ich eine Bäuerin, die ſehr gerne plauderte. Nachdem ich mir den Schein gegeben hatte, als ob ich eine hier auf dem Lande wohnhafte Magd ſuche, herzte ich den kleinen Knaben und ſagte zu der Bäuerin: es däucht mich, ich ſei ſo eben die⸗


