Teil eines Werkes 
3. Th. (1844)
Entstehung
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Die Nacht ſcheint dem Leidenden und Erwar⸗ tungsvollen, Demijenigen, der mit dem nächſten Tage die Ruhe des Herzens wieder zu erhalten hofft, eine Ewigkeit zu dauern.

Auch war das Gelegenheitsbett im Vergleich mit dem weichen Lager ſeiner letzten Wohnung hart ge⸗ nug; deſſenungeachtet würde Adhemar wie ein Prinz darauf geſchlafen haben, hätte er nur den Pfeil, der ſein Herz ſo grauſam zerfleiſchte, herausziehen können.

Mit Tagesanbruch ſtand Adhemar auf; er ver⸗ ſuchte ſich die Zeit damit zu verkürzen, daß er ſich an's Fenſter ſetzte und ſeine neue Nachbarſchaft be⸗ trachtete, allein ſeine Fenſter gingen auf einen finſtern, traurigen Hof hinaus. Einige Reſeda⸗ und Nelken⸗ töpfe waren die einzigen Zierden, die man hier an⸗ zubringen ſich erlaubte. Welcher Unterſchied zwiſchen Parr und der ſchönen Ausſicht der Straße Navarin! Allein den neuen Bewohner ſchlug dieß nicht nieder; er ſah gleichſam, ohne zu ſehen, oder war vielmehr mit ſeinen Gedanken wo anders, und das, was er ſah, machte keinen Eindruck auf ihn.

Plötzlich erglänzte ſein Geſicht von einem Schim⸗ mer von Zufriedenheit; es kam ihm nämlich der Gedanke, daß die Straße Perche nicht ſehr ferne vom Baſtilleplatze ſei, und er wünſchte ſich beinahe Glück, im Marais zu wohnen.

Um acht Uhr Morgens ging er aus, machte einen Spaziergang auf dem Boulevard und begab ſich end⸗ lich an den Ort, wo Mathilde ihn treffen wollte. Es ſchlug neun Uhr und Mathilde war immer noch nicht da.