88
„Sie haben Farbe, Ihre Augen glänzen.— Ja... ja, ol ich fühle mich recht wohl.— Ging Ihre gute Freundin ſchon fort?— Ja... ſie ging fort.— Welch liebenswürdige, geiſtreiche, hübſche Frau! Sagen Sie einmal, Herr Monſignard, wiſſen Sie, daß Sie mit ihr mit einem Feuer ſprachen... gewiß! Sie ſind ein ſchrecklicher Verführer!“
Monſignard wiegte ſein eitles Haupt in ſeiner Cravatte, beſchaute ſich im Spiegel, und verſetzte ſelbſtgefällig:„Sollte mich dieſe Dame erhören... ohnedieß iſt ſie ja ihre eigene Herrin... und es däucht mich, ſie könnte noch eine ſchlechtere Wahl treffen...— Will der Herr uns etwa damit zu ver⸗ ſtehen geben, er mache Glück bei dieſer Dame,“ ſagte Adhemar, ſich Monſignard nähernd und einen zornigen Blick auf ihn ſchießend.—„Ei, warum nicht? Bekümmert Sie das etwa, mein Herr? Finden Sie ſich etwa dadurch unangenehm berührt?“ ver⸗ ſetzte der ſchöne Mann mit ſpaßhaft neckendem Tone. —„Es gibt ſo großſprecheriſche Menſchen, welche mit Dingen prahlen, die gar nicht exiſtiren... welche dem guten Ruf einer Frau Blößen zu geben ſuchen. — Ich hoffe, mein Herr, daß, was Sie da ſagen, nicht auf mich gemünzt iſt.“
Adhemar wollte eben antworten, als Mathilde, die ſich mit Mühe erhoben hatte, zwiſchen die beiden Herren trat und rief:„Ei, meine Herren! was ſoll das heißen? Ich hoffe, Sie werden nicht vergeſſen, daß Sie in meinem Hauſe ſind und um meiner Freun⸗ din willen nicht in Streit gerathen.. Wenn ſie das
4


