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Dieß verſetzte den Dandy in ſolches Entzücken, daß er immer geſchwätziger wurde und ſich nie geiſtreicher als heute dünkte.
Bereits zum dritten Male hatte Mathilde zu Adhe⸗ mar ganz leiſe geſagt:„Ich liebe Sie immer noch!“ als Adhemar raſch aufſtand, ſich vor Monſignard ſtellte und ihn höhniſch und ſogar unverſchämt anſah.
Den ſchönen Mann ſchien dieſes Benehmen Adhe⸗ mars zu überraſchen; gleichwohl fuhr er in ſeinem Geplauder mit Carleſia fort, ſich den Schein gebend, als achte er nicht auf die Sache, und ſelbſt ein Lachen affektirend, wenn ſie etwas erwiederte. Adhemar hielt ſich nicht mehr, er wollte eben Monſignard her⸗ ausfordern, als ſein und Carleſia's Blick ſich begeg⸗ neten. Der Ausdruck, der in ihrem Blicke lag, ſchien ihn zu erſchrecken; er ſchlug die Augen nieder, fing an zu zittern und entfernte ſich, ohne ein Wort zu ſagen. Madame Valmiran verließ jetzt ſchnell ihren Platz und ging aus dem Saale, nachdem ſie von Mathilde, die nicht die geringſte Luſt zeigte, ſie auf⸗ zuhalten, Abſchied genommen und den Antrag Mon⸗ ſignards, der ſie durchaus begleiten wollte, abge⸗ lehnt hatte..
Mathilde hatte Adhemar ohne Unterlaß beobachtet; ihre Augen, aus welchen das Feuer des Zornes und der Eiferſucht ſtrahlte, hatten all' ihren vorigen Glanz wieder, der Purpur färbte ihre Wangen, ihre Stirne glühte.
„Ihr Ausſehen iſt heute Abend bezaubernd, meine liebe Freundin,“ ſagte die kleine Carcaſſonne zu ihr.


