Teil eines Werkes 
3. Th. (1844)
Entstehung
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ſie bälder bekommen... ich hätte mir die Freiheit genommen, perſönlich zu ſehen, wie Sie ſich befin⸗ den. Nicht die Madame.. ich war krank, mein Herr, erwiederte Mathilde mit dem Tone des Un⸗ willens.

Adhemar ſchlug die Augen nieder und erröthete; Carleſia erhob ſich raſch und ſetzte ſich an das andere Ende des Saales.

Ja, mein Herr, ja, ich litt recht ſehr, ich leide noch, fuhr Mathilde fort,und Sie ſind die Urſache davon, Sie wiſſen es wohl; ſtatt daß Ihnen aber nun dieß Leiden, das Sie mir zufügten, bei Ihrem jetzigen Wiederkommen leid wäre, blicken Sie immer nur auf ſie, ſcheint Ihr Geiſt immer nur mit ihr umzugehen! Ach, ich bin recht unglücklich!

Mathilde trocknete mit ihrem Tuche ihre thränen⸗ vollen Augen und winkte Adhemar, ſich neben ſie zu

ſetzen. Dieſer hatte nicht den Muth, es abzulehnen;

er fürchtete, man möchte die Bewegung Mathildens bemerken, und wünſchte, ihre Thränen trocknen, ſie tröſten zu können, und doch war es ihm zuwider, an ihrer Seite zu ſitzen; er ſaß neben ihr wie ein Schü⸗ ler, den ſein Lehrer zum Lernen nöthigt. Mathilde ſprach zärtlich mit ihm, aber er hörte ihr mit zer⸗ ſtreutem Weſen zu, ja in kurzer Zeit hörte er gar nicht mehr auf ſie, wußte nicht einmal mehr, daß ſie mit ihm ſprach. Monſignard nämlich hatte ſich ſo eben neben Madame Valmiran geſetzt; er ſagte ihr Galanterien, welche ſie gegen ihre Gewohnheit lächelnd und, wie es ſchien, mit Vergnügen anhörte.