Teil eines Werkes 
3. Th. (1844)
Entstehung
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Carleſia lächelte traurig; Mathilde gab zur Ant⸗ wort:Drum verſtehen ſich die Frauen, wenn ſie lieben, auf dieſen Gefühlszuſtand beſſer als die Män⸗ ner, und betrachten ihn nicht bloß als ein Mittel, ſich zu zerſtreuen. Daß Ihnen in Bezug auf die Liebe der Preis vor den Männern gebührt, weiß ich recht wohl, meine Damen; hinſichtlich der Freund⸗ ſchaft aber war ich bisher der Meinung, der Lorbeer komme den Männern zu. Nehmen Sie wohl in Acht, daß außer den vorhin angeführten Helden die vom Alterthum uns vorgehaltenen Ideale der Freund⸗ ſchaft ſtets Männer ſind. Damon und Pythias, Niſus und Euryalus, Theſeus und Pirithous, Scipio und Lälius und eine Maſſe Anderer, die ich Ihnen noch herzählen könnte; von der Freundſchaft der Frauen iſt aber nie die Rede. Der Grund iſt, weil Männer die Geſchichte ſchrieben, ſagte Dal⸗ brun lachend.Oder vielmehr, weil man dachte, da die Frauen ganz für die Liebe geſchaffen ſeien, ſo bleibe ihnen für andere Gefühle kein Raum mehr übrig, fuhr Monſignard fort, Madame Valmiran einen Blick zuſchleudernd, in welchen er ſo viel Aus⸗ druck als möglich zu legen ſuchte.Von was iſt die Rede... von der Freundſchaft... dem Herois⸗ mus der Freundſchaft? ſagte Madame Carcaſſonne, ſich dem Divan nähernd.O, wenn ich Jemand recht liebe, ich ließe mich für ihn in's Feuer werfen. Es ſcheint demnach, Sie haben niemals recht ge⸗ liebt, ſagte Dalbrun;es zeigt ſich nämlich auch nicht das geringſte Brandmal an Ihnen. Drum