81
„Und ſeit drei Wochen ſahſt Du ihn nicht wieder?“ fuhr Mathilde fort, ihre Freundin mit Blicken an⸗ ſehend, die auf den Grund ihres Herzens niederzu⸗ tauchen ſuchten.—„Wen? Herrn Adhemar?— Freilich.— Und wo ſollte ich ihn denn geſehen haben? ... Glaubſt Du vielleicht, er komme zu mir?— Nein, denn Du betheuerteſt mir ja, daß Du keine Beſuche von ihm erhalteſt... daß Du ihn nicht kenneſt, und ich glaube Dir... es wäre zu entſetz⸗ lich, mich zu hintergehen. Nein! dazu biſt Du nicht fähig.“ 3 Die Art, mit welcher Mathilde dieß ſagte, be⸗ wies ihre vollſtändige Ueberzeugung hievon keines⸗ wegs. Carleſta warf einen Blick voll Zärtlichkeit und Mitleid auf ſie und flüſterte:„Du haſt mich immer noch im Verdacht!— O nein, nein, ver⸗ gib mir; ſieh', wenn Du an meiner Seite ſitzeſt, iſt mir beſſer, iſt mein Gemüth ruhiger; ich wollte, Du verließeſt mich nie mehr.— Sagteſt Du mir nicht, Dein Gatte habe ihm geſtern Abend geſchrieben?— Ja, Herr Bourdichon mußte ihm von dem traurigen Erfolge eines Unternehmens Nachricht geben, worein er zwanzigtauſend Franken geſteckt hatte.... Alles iſt verloren! Glücklicher Weiſe iſt Herr Adhemar reich; ich denke, dieſer Verluſt werde ihm nicht ſehr empfind⸗ lich fallen.— Woher weißt Du, daß er reich iſt?— Ha... ich ſchloß es aus ſeiner Lebensweiſe, aus ſeinem Gleichmuth, wenn er im Spiel verliert, auch wenn es um große Summen geht. Endlich beweist
Paul de Kock. XXXIX. 6


