80
Mathilde nach einer Pauſe fort.„Du bemitleideteſt Deine Freundin, Du errietheſt den Grund meiner Leiden, meiner Krankheit! Du durchſchauteſt die Be⸗ ſchaffenheit jenes Uebels, das an mir zehrte und noch an mir zehrt! Ach, ohne Dich wäre ich geſtorben; denn ich hätte keine Seele gehabt, mit der ich hätte von ihm reden, keine Seele, in die ich meinen Schmerz, meine Thränen hätte ausſchütten können. Die Thränen ſcheinen weniger bitter, wenn eine Freundin um uns iſt, die uns aufrichtet, die uns tröſtet! Ach! nicht mehr geliebt zu ſein und doch ſelbſt noch zu lieben, ſieh', das iſt ſchrecklich.“
Mathilde faßte bei dieſen Worten convulſiviſch
die Hände Carleſia's; allein Carleſia gab ihr ein Zeichen, ihrer Bewegung Meiſter zu bleiben; ſie erinnerte ſie daran, daß ſie nicht allein ſeien.
„Meinſt Du, ein Einziger von dieſen Allen be⸗ kümmere ſich um mich,“ verſetzte Mathilde mit einem leichten Achſelzucken.—„Dein Gatte doch..— O, der noch weniger als die Andern. Du ſaheſt ſelbſt⸗ wie ich acht Tage an heftigem Fieber darniederlag, ohne das Bett verlaſſen zu können, und brachte er auch nur Einen Abend bei mir zu?... Ich wieder⸗ hole Dir, ich habe Niemand mehr als Dich... denn Du beklagſt mich, nicht wahr?“
Dieſe Worte begleitete Mathilde mit einem Blicke, der Carleſia in Verlegenheit zu ſetzen ſchien; ſie er⸗ wiederte:„Zweifelſt Du etwa daran?“ Allein der
Ton, mit dem dieſe Frage geſprochen war, konnte
wirklich Zweifel erwecken.


