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dem Auge zu kommen, ja! Aber nein! er iſt nicht auf Reiſen... ich habe mich überdieß darnach erkun⸗ digt... und dann ſind der Dinge zu viel, die ihn in Paris zu feſſeln vermögen.— Was denn?“ ſagte Carleſia lebhaft.
Mathilde ſah ihre Freundin ſcharf an und ver⸗ ſetzte:„Andere Leidenſchaften! Sobald uns ein Mann nicht mehr liebt, hat es in der Regel ſeinen Grund darin, weil er eine Andere liebt.— Du haſt Recht, und doch konnte dieſe Liebe... zumal bei einem unbeſtändigen Manne wie Herr Adhemar... nicht ewig dauern! Und da ſie einmal ein Ende nehmen mußte, ſo liegt wenig daran, ob etwas bälder oder ſpäter! Du ſollteſt ihn vergeſſen und Dir eine Ge⸗ nugthuung verſchaffen.— Ein Ende nehmen!... Nach fünf Monaten! Ach großer Gott! Die Ruhe meines Lebens verlieren für ein fünfmonatliches Glück! — Oft ſcheint eine Liebe noch weit tiefere Wurzeln zu haben und dauert nicht einmal ſo lange!“ ſagte Carleſia, und dießmal mit dem Ausdruck der Ueber⸗ zeugung auf ihrem Geſichte.—„Ja, Du mußt das auch aus Erfahrung wiſſen... ungeachtet Du mir nichts davon geſtehen wollteſt; die Liebe iſt eine grau⸗ ſame Leidenſchaft, nicht wahr 2... Und unſere Schwach⸗ heiten ziehen manchmal Folgen... Folgen recht trau⸗ riger Art nach ſich.“
Carleſia gab keine Antwort und ſchien in dieſen, obwohl, wie es ſchien, mit Abſicht geſprochenen Worten ihrer Freundin nichts Verfängliches zu finden.
„Zum Glück verließeſt Du mich nicht,“ fuhr


