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hatte oft nach Frankreich das Heimweh und war ziemlich lang in Neapel krank. Ich fand in andern Himmelsſtrichen das Glück nicht, nach welchem ich mich ſehnte, und von dem ich in Deiner Nähe ſo oft träumte: einen Mann, der mein Herz verſtanden hätte, der meiner Liebe würdig geweſen wäre... nein, ich fand es nicht! Ich ſehe nun, daß ich allen ſüßen Täuſchungen meiner Jugend Lebewohl ſagen muß, und dieß iſt vielleicht der Grund, warum Du mich ſo traurig und ſo verändert findeſt.“
Während Carleſia alſo ſprach, hatte ſich die Stirne Mathildens ebenfalls umwölkt; ſie antwortete ihr mit vorwurfsvollem Tone:„Geſtern hatten Sie mir ein Geheimniß anzuvertrauen... ja, Sie verſtanden ſich aus freien Stücken dazu... und heute haben Sie mir nichts mehr zu ſagen! Als ich Sie wieder ſah, erzählte ich Ihnen Alles, was mir ſeit unſerer Tren⸗ nung begegnet iſt. Ich habe Ihnen ein aufrichtiges Geſtändniß gethan... mein Vertrauen zu Ihnen war ſo groß, daß ich mich ſelbſt der Furcht entſchlug, vor Ihnen erröthen zu müſſen. Ach! ich hatte Un⸗ recht... ſehr Unrecht, ich ſehe es wohl! denn Sie vergelten mir mein Zutrauen ſehr übel...— Warum dieſe Vorwürfe?" ſagte Carleſia, indem ſie ein weni⸗ ger gezwungenes Weſen anzunehmen ſuchte;„warum wollen Sie durchaus, daß ich Ihnen ein Geheimniß anvertrauen ſoll? Sie haben mir das Geſtändniß Ihrer geheimen Zuneigung zu... einem Andern, als Ihr Gatte iſt, gethan. Dieß Geſtändniß habe ich von Ihnen nicht verlangt, und wenn ich hätte er⸗


