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aus dem Gedächtniſſe entſchwunden. Ich habe die Welt nie ſehr geliebt, ich will Niemand bei mir ſehen.— Niemand... als mich?— O, das brauche ich Dir nicht erſt zu ſagen.— Du wohnſt in einem einſamen Viertel... wenigſtens iſt es die Straße... und hinten in einem Hofe. Dein Logis ſcheint mir ſehr hübſch, aber es hat etwas Düſteres.— So ge⸗ fällt es mir gerade!— Sol...“
Mathilde ſtockte; ſie brannte vor Verlangen, ſich auszuſprechen, und wußte doch nicht, wie ſie das, was ſie ſagen wollte, anbringen ſollte. Carleſia ſuchte nicht, ihr darauf zu helfen.
„Als Du geſtern Morgen bei mir wareſt, Car⸗ leſia, wollteſt Du mir eben Deinerſeits alle Deine Abenteuer erzählen, Deine Bekümmerniſſe anvertrauen, denn Du haſt, wie ich aus Allem ſchließen kann, ſchwere Leiden gehabt. Ein zu ungelegener Zeit ge⸗ kommener Beſuch hat Dich daran verhindert. Aber jetzt ſind wir allein, wir werden nicht geſtört werden. Du wirſt jetzt reden, und ich höre Dir zu.“
Die Stirne Carleſia's wurde düſter und kummer⸗ voll; ſie wandte ihre Blicke weg und antwortete nach einer ziemlich langen Pauſe:„Ich weiß wirklich nicht, meine liebe Mathilde, warum Du Dir einbildeſt, ich ſolle Dir Geheimniſſe zu vertrauen haben. Ich war lange Zeit auf Reiſen, habe Italien, die Schweiz, die Alpen durchwandert; es ging mir auf dieſen aben⸗ teuerlichen Fahrten wie allen Perſonen, die reiſen... ſchlechte Herbergen, ſchlechte Straßen; gleichwohl habe ich nicht das kleinſte Räuberabenteuer erlebt. Ich
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