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verrieth eine Bewegung, ein Zittern, das ſich ver⸗ gebens zu verſtecken ſuchte.
Carleſia zeigte ſich ruhig, aber kalt in der Art und Weiſe, mit der ſie Mathilde bewillkommte. Es war mehr Verlegenheit, mehr Zwang als Freund⸗ ſchaft, und ſo oft dieſes Gefühl wie ſonſt wieder hervortreten wollte, war es, als ob ſchnell ein Ge⸗ danke dazwiſchen käme, wodurch es gehemmt und ſich zu zeigen verhindert würde. Ein geringer Umſtand reicht hin, dieſe ſüßen, in der Jugend in's Leben getretenen Freundſchaftsgefühle, die man bis an das Ende des Lebens bewahren zu können ſich ſchmeichelt, zu zerſtören. Der Blick eines Mannes bringt oft ſchnell zwei alte Freundinnen in Zerwürfniß. Das Lächeln einer Frau macht zwei Feinde aus Männern, die ſich kaum vorher noch wie Brüder behandelt haben. Allein die Männer verſöhnen ſich zuweilen wieder, während die Frauen einander niemals verzeihen. Dar⸗ aus geht deutlich hervor, daß ihre Eigenliebe dabei in's Spiel kommt.
„Da bin ich,“ ſagte Mathilde, ſich ſetzend;„ich hatte Eile, Dich wieder zu ſehen... hätte ich es wagen dürfen, ich wäre bälder gekommen.— Du hätteſt kommen ſollen; wir laſſen ja die Förmlich⸗ keiten beiſeite.— Allein man kann zuweilen Beſuche haben und...— Wen meinſt Du denn, daß ich auf Beſuch haben könnte? Seit beinahe vier Jahren bin ich auf der Reiſe und habe keine... keine wahre Freundin als Dich. Alle meine andern Bekannt⸗ ſchaften, deren ich ſo viele haben ſollte, ſind mir


