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bleicher, bald aber, wie wenn ſie über ihre Schwach⸗ heit geſiegt hätte, verſuchte ſie zu lächeln, und ruhig und gleichgültig zu erſcheinen. Adhemar, viel weniger Herr über ſich, ſuchte ſeine Bewegung vergeblich zu verbergen: eine tiefe wehmüthige Empfindung hatte die Lebhaftigkeit ſeiner Augen verdüſtert, es war nicht mehr derſelbe Mann, der vorhin in den Saal trat. Die Wirkung, die der Anblick Carleſia's auf Adhemar hervorbrachte, war zu merklich, als daß ſie Mathilden nicht aufgefallen wäre: ihr Herz pochte bereits in unruhigen Schlägen und mit einer beinahe zitternden Stimme ſagte ſie zu Marilly:„Kennen Sie etwa meine Freundin... die Frau Valmiran?“
Man ſah Adhemar an, daß er nicht wußte, was er antworten ſollte; endlich ſtotterte er:„Wenn ich nicht irre... ſo bin ich der Madame ſchon begegnet. — Du kennſt Herrn Adhemar Marilly?“ ſagte Ma⸗ thilde, ſich an Carleſia wendend. Dieſe antwortete jedoch mit einem froſtigen Tone:„Der Herr täuſchen ſich... ich kenne ihn nicht, es iſt das erſte Mal, daß ich mit ihm zuſammenkomme.— Ach ja, ich denke, daß Madame Recht hat,“ verſetzte Adhemar halblaut und die Augen niederſchlagend;„es iſt das erſte Mal, ich habe nicht die Ehre, Madame zu kennen.“
Mathilde biß ſich in die Lippen, man ſah wohl, daß ſie ſich durch die Antworten, die ſie auf ihre Fragen erhielt, nicht irre machen ließ, indeß gab ſie ſich Mühe, ihre Empfindungen zu verheimlichen.
Bereits fühlte ſie jedoch die Berührungen einer für ſie neuen Empfindung: bereits quälte, peinigte ihr


