Teil eines Werkes 
2. Th. (1844)
Entstehung
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Mathilde brach das Stillſchweigen; ſie ſah ihn lächelnd an und ſagte zu ihm:Schmollen Sie denn mit mir? Mit Ihnen ſchmollen?... Nein!... ich habe nicht das Recht dazu; aber... ich kann wohl bekümmert ſein... Seht mir da die Männer! ſo⸗ bald man ihnen etwas abſchlägt, ſo gerathen dieſe Herren in Aerger... ihre Eigenliebe kommt beim geringſten Widerſtand in Aufregung. Wenn Sie glauben, daß nur verletzte Eigenliebe in meinem Kummer liege, dann, Madamel haben Sie ganz recht, ſich meinem Vorſchlag zu widerſetzen. Wenn ich dächte, daß Sie für mich kein anderes Gefühl hätten, meinen Sie, mein Herr! ich würde einge⸗ willigt haben, hierher zu kommen? O, entſchul⸗ digen Sie!... Sehen Sie, ich weiß nicht, was ich . ſage... aber es geſchah darum, weil ich Sie liebe... können Sie aus den Wünſchen, die ich habe, mir ein Verbrechen machen?... Ein Mann glaubt nicht eher an die Liebe einer Frau, als bis ſie ſich ihm ganz und gar hingegeben hat... ich wenigſtens denke nicht anders. Die ſchönſten Geſpräche, die man über die platoniſche Liebe hält, erſchienen mir immer als leere ſinnloſe Phraſen; die Natur lehrt uns eine ganz andere Liebe, und die Lehren, die ſie uns gibt, ſchätze ich höher als die Moral Plato's und als alle Weiſen Griechenlands. Kurz, ich liebe Sie!... Es ſcheint mir, daß in dieſem Wort Alles liegt: wenn Sie meinen Willen nicht thun, ſo theilen Sie nicht das, was ich für Sie fühle! Ich weiß wohl, daß viele Frauen es lieben, den Augenblick ihrer Niederlage

Paul de Kock. XXXVIII, 2