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bringt ihr Leben mit lauter Sorgen zu! Was Teufel, glauben Sie, ich befinde mich gut dabei!“
Und ſo noch vieles Andere ähnlicher Art. Die Damen haben dabei mehr Feinheit, mehr Takt, ſie wiſſen mehr Gründe anzugeben, und im Allgemeinen liegt in dem, was ſie ſagen, mehr Wahrheit als in den Worten der Männer.
„Meine Aufführung muß Ihnen wohl tadelnswerth erſcheinen,“ ſagte endlich Mathilde, indem ſie die Augen niederſchlug,„und ich bin gewiß, daß Sie mich bereits in eine Klaſſe mit allen jenen Frauen ſetzen, welche auf ihre Pflichten nichts halten... welche keinem andern Führer folgen, als der Liebe zum Vergnügen.— Was ſagen Sie da!“ verſetzte Adhemar.„Erſtens wäre das ſehr ſchlecht von mir, Sie ſo zu beurtheilen... ſodann habe ich genug Eigenliebe, um mir vorzuſtellen, daß ich Ihnen ein Gefühl einflößen konnte, welches Sie mit den andern nicht ſo leicht verwechſeln werden... habe ich Un⸗ recht?— O nein! Halten Sie, hören Sie!l ich bin froh, daß Sie in meinem Herzen leſen, daß Sie mich als Die erkennen, die ich bin; in der Tiefe meines Herzens fühle ich das Bedürfniß der Liebe, zu gleicher Zeit aber eine außerordentliche Furcht und Schüchtern⸗ heit... ich könnte ſo zu ſagen mein ganzes Leben lang einen Mann lieben, ohne ihn dieſe Liebe merken zu laſſen, wenn mir derſelbe auch keine beſondere Aus⸗ zeichnung bewieſen hätte. Ich bin vielleicht nicht mit⸗ theilend, aber mein Herz iſt nichtsdeſtoweniger ge⸗ fühlvoll. Noch in ganz jungen Jahren fühlte ich das


