Teil eines Werkes 
2. Th. (1844)
Entstehung
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glaubte, ich könne nicht mehr bis hierher gelangen. Nehmen Sie meinen Arm und ſtützen Sie ſich dar⸗ auf. Ihren Arm? Aber... doch ja... wenn Per⸗ ſonen von unſerer Bekanntſchaft uns bemerken, ſo werden ſie glauben, wir ſeien einander begegnet. Adhemar nahm ihren Arm. Einige Augenblicke gingen ſie ohne beſtimmtes Ziel fort, erſt nach einer Weile gaben ſie ihrem Laufe eine andere Richtung, als ſie Leute herannahen ſahen. Sie ſprachen beinahe nichts mit einander, aber ſie blickten ſich an und mit den Augen kann man viel ſagen. 3 Gleichwohl geben ſich die Frauen beinahe immer Mühe, ihre Aufführung zu rechtfertigen, und wenn ſie einen Fehlſchritt thun, wenn ſie eine Schwaghheit begehen, ſo wollen ſie beweiſen, daß die Schuld nicht an ihnen liege. Dieſe Verfahrungsweiſe haben übrigens beide Geſchlechter mit einander gemein. Höret einen verheiratheten Mann, der einer Frau den Hof macht, er wird nicht verfehlen, ihr zu ſagen:Wenn ich meiner Frau nicht treu bin, ſo iſt das wahrhaftig nicht mein Fehler! Aber unſere Launen vertragen ſich gar nicht gut mit einander: ſie widerſpricht mir in Allem, ſie zankt mich ohne Unterlaß; wenn ich Frieden haben will, ſo muß ich ihn außer dem Hauſe ſuchen. Oder ſo:Meine Frau iſt ſehr ſanft, ſehr gutmüthig⸗ aber von phlegmatiſchem Charakter, ſie verſteht ſich nicht auf die Leidenſchaften, ſie ahnet nicht, was Liebe iſt, und ich habe ein Herz, das das Bedürfniß fühlt, ſich auszuleeren. Oder ſo:Meine Frau iſt ſehr hübſch, das iſt keine Frage, aber immer krank! Sie