Teil eines Werkes 
3. Th. (1844)
Entstehung
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Dieſer Augenblick dauert übrigens oft ganze Stun⸗

den. Bisweilen ſchreit eine Portiére, welche es höchſt unpaſſend findet, daß man ſich mit irgend Jemand ſonſt als mit ihr unterhalte, unver ſchämt aus ihrer Loge heraus:Hel Habt ihr nicht bald genug ge⸗ klatſcht dort vorne! wie frech doch dieſe Leute ſind, ſie geben ſich ein Stelldichein in meinem Hausgange! ſie verſperren Einem den Weg und ſcheeren ſich den Teufel darum. Wenn man ſie nicht immer im Auge hätte, könnte ihnen noch alles Mögliche einfallen. Mein Gott, wie wird die Welt ſo chimäriſch! Eine andere ſpricht nichts, ſchüttet aber ganze Lachen Waſſer herum und fängt an zu kehren, daß ſie dem Pärchen, welches unter ihrer Thüre ſteht, die Beine verſpritzt; oder ſie macht die Hausthüre zu und fragt dann:Zu wem wollt ihr? Ihr ſeht wohl, daß ihr nicht ewig hier ſtehen bleiben könnt. Aber alle dieſe kleinen Unannehnlichkeiten gleiten leicht über den verſöhnlichen Humor der Liebenden weg. Sind ſie gezwungen, ſich zu entfernen, ſo ge⸗ hen ſie und ſtehen an einem andern Orte wieder ſtille, mitunter bieten ſie auch dem Kehren, dem Schmähen und den neugierigen Blicken der alten Stadtklatſchen, welche faſt den ganzen Tag mit den Portièren trätſchen, Trotz. Was liegt ihnen an dem, was in ihrer Umgebung geſchieht, oft ſehen ſie es gar nicht. Es iſt eine ſo große Freude, ſich zu lieben und ſich es gegenſeitig zu geſtehen, dem geliebten Weſen in die Augen zu blicken, leiſe mit einander zu ſprechen, halb geäußerte Worte zu verſtehen und

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