Teil eines Werkes 
3. Th. (1844)
Entstehung
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Nachdem Herr Cöleſtin jedoch den Caſchemir und die Lorgnette genau betrachtet hat, ſchickt er nichts zurück, ſondern entſchließt ſich im Gegentheil, die Sachen zu behalten. Damit kann ich eine Andere verführen, denkt er. Madame Baldimer hatte dieſen Herrn vollkommen richtig beurtheilt.

Paul verſah wieder ſein Gewerbe wie früher; jeden Morgen fand er ſich ſo bald als möglich auf ſeinem Platze ein, aber auch Elina ging, ehe irgend eine ihrer Geſchäftsgenoſſinnen aus dem Bette auf⸗ ſtand, zu ihrer Arbeit, kam aber deſſenungeachtet oft zuletzt in die Nähſchule, denn jeden Morgen hielt ſie ſich auf und ging langſamer, wenn ſie den jungen Commiſſionär ſah, und er eilte ihr freudig entgegen. Faſt in jeder Straße findet man eine große Flügel⸗ thüre, einen großen Hauseingang oder wenigſtens ein Hofthor, hinter welches ſich die Plauderer flüch⸗ ten können, wenn ſie ſich nicht gerne den Blicken der Vorübergehenden ausſetzen. Beſonders die Liebenden ſehen ſich nach einem ſchützenden Dache, einem Win⸗ kelchen oder einem unbemerkbaren Oertchen um; wenn ſie mit einander auf der Straße einhergehen, ſo bemerkt man wohl, wie ſie rechts und links hin nach einem recht dunkeln Hauseingange ſpähen, wo⸗ bei ſie es zugleich für ſehr einfältig halten, daß die neuen Häuſer beinahe alle Hofthore haben. Sobald ſie dann irgend einen kleinen Verſteck entdecken, begeben ſie ſich ſchnell unter den Schutz deſſel⸗ ben, um einen Augenblick mit einander ſchwatzen zu können.