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135 derſelben Tapferkeit heiterer und liebenswürdiger und weit nicht ſo heimtückiſch, als man in der guten alten Zeit war.
Heutzutage kleiden ſich die Bewohner des Marais beinahe eben ſo gut, als die in der Chauſſée d Antin; kein Quartier bleibt in Beziehung auf die Mode mehr zurück, nur kann oder will ihr nicht Jedermann folgen. Ein Stutzer der Sanct⸗Ludwigsſtraße hat oft einen eben ſo hübſchen Anzug, als einer des Boulevard des Italiens, um ſo mehr, als ihn nichts hindert, denſelben Schneider zu haben, wie jener.
Indeſſen müſſen wir geſtehen, daß die Sitten in dem Marais etwas Strengeres oder Patriarcha⸗ liſcheres beibehalten haben, als in den übrigen Quartiers der Hauptſtadt. Man lebt etwas weniger in die Nacht hinein, ſchließt die Läden etwas früher als in dem Mittelpunkt der Hauptſtadt, die Jung⸗ frauen ſcheinen ihren Eltern etwas untergebener zu ſein, die jungen Männer wagen es nicht, in einen Salon zu treten, wenn ſie nach einer Pfeife oder Cigarre riechen. Allein dieſe Nüancen ſind nur noch ſchwach und werden ſich bald mit der Grundfarbe vermiſchen.
Die zwei Commiſſionäre ſetzten Arm in Arm ihren Weg fort. Sanscravate ſah verdrießlich aus, er ſprach kein Wort, ſondern ſchaute ſich immer ſorg⸗ fältig um und betrachtete die Vorübergehenden; ſein Blick ſuchte vis in das Innere der Läden zu dringen:
in jedem Frauenzimmer, welches er begegnete, hoffte
er Baſtringuette zu erkennen, die er zwar, wie er


