15
Der Wagen hält vor einem ſchönen, möblirten—
Hotel. Hier wohnt Herr Gerval ſtets, wenn er nach Paris kommt. Man kennt ihn im Hauſe ſchon und ein Jeder begegnet ihm mit der Rückſicht und Aus⸗ zeichnung, welche ſein Alter und ſein Charakter ver⸗ dienen.
Er läßt Adeline mit ihrem Töchterchen ausſteigen und führt ſie zu ſeiner Hauswirthin.—„Hier, Ma⸗ dame, ſagt er, bringe ich Ihnen eine Unglückliche, mit der Bitte, ſie bis auf weitere Anordnung bei ſich aufzunehmen.— Ach mein Gott, wie hübſch iſt dieſe junge Frau! aber welche traurigen Züge, welch finſterer Blick!... kann ſie nicht ſprechen, Herr Gerval?— Sie iſt ſehr leidend... es iſt ihr ein großes Unglück widerfahren... man ſagt ſogar, daß ihr Verſtand..— O Himmel, wie ſchade!.. — Ich hoffe, mit vieler Sorgfalt werden wir es dahin bringen, ihren Geiſt zu beruhigen; ich em⸗ pfehle Ihnen die arme Mutter und ihr Kind... Sein Sie ohne Sorge, Herr Gerval, es ſoll ihnen
nichts abgehen!... Ich ſehe, es iſt abermals eine
Unglückliche, der Sie ſich annehmen wollen!.— Was wollen Sie, meine liebe Wirthin, ſoll man ſich nicht nützlich machen, wenn man es kann? Ich habe keine Kinder und bin alt; was helfen mir alle meine Reichthümer, wenn ich damit nicht Unglück⸗ lichen beiſtehen wollte? Dies iſt ein Genuß für mich .. ich bin wie Florians Menſchenfreund: ich thue nur manchmal Gutes, um des Vergnügens willen.“ „» Ach, Herr Gerval, wenn alle Reichen ſo dächten!


