Teil eines Werkes 
3. Th. (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

eer werde die Wahrheit auf ihrer Stirne leſen!.

13

werden munter; Adeline ſteht auf, kleidet ſich maſchi⸗ 68 nenmäßig an, und fällt wieder auf den Stuhl zurück, den ſie verlaſſen hatte; ſie hat keine Pläne, keine Wünſche, keine Hoffnungen mehr; ſie leidet, aber gedankenlos.

Man klopft leiſe an die Thüre: ſie erwacht aus ihrer Erſtarrung und findet ihr Gefühl, aber auch all ihr Elend wieder. Sie will öffnen... bleibt jedoch an der Thüre ſtehen: ein plötzlicher Gedanke hält ſie zurück: wenn es ihr Mann wäre!... ſie fühlt, daß ſie ſeine Blicke nicht würde ertragen können und fürchtet, Arme Adeline... Du biſt nicht ſchuldig und zitterſt!... Welch ein Unterſchied von dem, was wir täglich in der Welt erblicken!

Eine Stimme läßt ſich hören, es iſt die ihres Stubenmädchens; ſie fragt, ob ſie hereinkommen dürfe; Adeline beruhigt ſich und ſchließt auf.

Verzeihen Sie, Madame, ſagt das Mädchen, ich hatte bange um Ihr Befinden; es iſt ſchon ſpät,

Sie haben nicht geklingelt und ſind auch nicht zum

Frühſtück heruntergekommen. Es iſt ſpät, Marie? iſt Herr Murville noch nicht zu Haufe? Ja, Ma⸗ 3 dame, der Herr ſind gekommen, gingen auf ihr Zimmer, aber bald darauf wieder aus. Wieder aus! ſagſt Du? Ja, Madame!

Adeline ſchöpft freier Athem und fühlt ſich ruhiger, denn ſie fürchtet jetzt die Gegenwart deſſen, den ſie

vor einigen Stunden mit ſo vieler Ungeduld erwartete. Marie betrachtet ihre Gebieterin; ſie findet ſie